Kirchliche Gebäude auf dem Prüfstand

Um auch in Zukunft ihre Aufgaben erfüllen zu können, muss die Evangelische Gesamtkirchengemeinde Esslingen ihre Ausgaben reduzieren. Nur so kann das jährliche Defizit im Haushalt von gut 500 000 Euro ausgeglichen werden. Einen Beitrag dazu soll der Verkauf von Immobilien leisten. Einige Gebäude sind bereits veräußert. Die Aufgabe weiterer wird derzeit diskutiert.

B. Weißenborn und S. Bessey vor dem Haus Küferstr.12 - Foto URH

„Die Kirche wird kleiner, darauf müssen wir reagieren“, verweist Dekan Bernd Weißenborn auf rückläufige Zahlen bei den Gemeindemitgliedern. Die Überlegung, wo man künftig Schwerpunkte setzen wolle, betreffe die ganze Bandbreite kirchlicher Arbeit „von den Pfarrstellen über Kindergärten bis hin zu Immobilien“. Bereits seit zehn Jahren beschäftigt sich die Gesamtkirchengemeinde mit der Immobilienfrage. In einer ersten Runde wurden Wohnungen und Häuser verkauft, die für die kirchliche Nutzung nicht mehr benötigt wurden. Darunter ist auch das Haus Küferstraße 12 in Esslingen. Seit zwei Jahren werden nun auch Gebäude in die Überlegungen einbezogen, die viel stärker mit der Gemeindearbeit verbunden sind. In den Blick genommen hat man Immobilien in Gemeinden, die mehr als eine Kirche oder mehr als ein Gemeindezentrum haben. Die Arbeitsgemeinschaft Immobilien hat einen ganzen Katalog an Vorschlägen erarbeitet, die nun in den Gremien diskutiert werden müssen. Denn die Gesamtkirchengemeinde mit ihren neun Teilgemeinden besitzt überdurchschnittlich viele Kirchen und Gemeindehäuser.


Das Hauptaugenmerk der Überlegungen lag weniger auf dem Verkaufserlös als auf den Betriebskosten, weil diese den Haushalt besonders belasten. „Dass es Ärger und Frust hervorruft, wenn ein Gemeindehaus abgegeben werden soll, verstehe ich gut“, betont Weißenborn mit Blick auf Diskussionen um das Gemeindezentrum Hainbachtal in St. Bernhardt zum Hohenkreuz oder die Kirche mit Gemeinderäumen in Sirnau. Es gebe aber auch viel Konsens, sagt Siegfried Bessey, Vorsitzender des Gesamtkirchengemeinderates und Mitglied der Immo-AG. Stets seien die Kirchengemeinderäte der betroffenen Gemeinden einbezogen gewesen. Auf der Vorschlagsliste stehen unter anderem noch der Verkauf des Gemeindehauses der Südkirche und der Lukaskirche in Weil, des Gemeindehauses Dresdener Straße in Oberesslingen und des Gemeindehauses am Zollberg. Dort könnte stattdessen ein neuer, größerer Kindergarten gebaut werden.

 

Noch ist nichts entschieden

 

„Dies sind alles nur Vorschläge. Es ist noch nichts beschlossen und was sich als nicht gut erweist, wird auch wieder verworfen. Wir sind für Alternativen offen“, betont Weißenborn. Die Gemeinden müssten diese dann aber auch aufzeigen. „Ein reines Nein allein kann es nicht geben“, ergänzt Bessey. Räume anderweitig zu vermieten, löse das Problem auf Dauer nicht, erklärt er. Denn für Investitionen, Instandhaltung oder Brandschutz- und andere Auflagen müsse weiterhin die Gesamtkirchengemeinde als Eigentümerin aufkommen. Vom Oberkirchenrat gebe es für Bau- oder Erhaltungsmaßnahmen zudem nur finanzielle Zuschüsse aus dem sogenannten „Ausgleichsstock“, wenn entsprechende Eigenmittel vorhanden seien. Doch die Rücklagen der Gesamtkirchengemeinde gehen langsam aber sicher zur Neige.

 

Umsetzung wird Jahre dauern


Bessey betont auch, dass vor einem Verkauf intensive Gespräche mit den Teilkirchengemeinden geführt würden. Zudem werde jedes Objekt einzeln im Gesamtkirchengemeinderat beraten. Weißenborn möchte spätestens bis zum Sommer eine Entscheidung über die einzelnen Vorschläge erreichen, „damit wir handeln können“. Manches könne schnell umgesetzt werden, doch anderes werde Jahre dauern, ist Bessey sicher. Niemand müsse deshalb Angst haben, dass von heute auf morgen eine Kirche oder ein Gemeindezentrum dichtgemacht werde. Dass sich Gemeindemitglieder für „ihre“ Gebäude stark machen, freut Weißenborn und Bessey, auch wenn die Diskussionen nicht einfach seien. „Das zeigt eine starke Verbundenheit mit der Kirche.“