17.04.18

Das Kreuz aus Nägeln verpflichtet zu Frieden und Versöhnung

Ein schlichtes Kreuz aus Nägeln ist das Symbol der Nagelkreuzgemeinschaft, eines weltweiten ökumenischen Netzwerks, das sich für Frieden und Versöhnung einsetzt und unter der Führung der Kathedrale von Coventry steht. Der Evangelische Kirchenbezirk Esslingen ist als erster Kirchenbezirk Mitglied der Nagelkreuzgemeinschaft geworden.

© U. Rapp-Hirrlinger

The Reverend Canon Dr. David Stone, Sub-Dekan der Kathedrale von Coventry, und Jost Hasselhorn, Vorstandsmitglied der Deutschen Nagelkreuzgemeinschaft, übergaben zwei Nagelkreuze in einem feierlichen Gottesdienst in der Esslinger Stadtkirche an Ulrike Sämann, Vorsitzende der Bezirkssynode, und an Siegfried Bessey, Vorsitzender der Esslinger Gesamtkirchengemeinde.

Es ist ein schmuckloses Kreuz, geschmiedet aus drei mittelalterlichen Zimmermannsnägeln und doch ist das Nagelkreuz von Coventry ein beeindruckendes Symbol für die tiefe christliche Überzeugung, dass nicht Rache, sondern Versöhnung der richtige Weg ist. Unmittelbar nachdem am 14. November 1940 die deutsche Luftwaffe nicht nur die englische Stadt Coventry, sondern auch die mittelalterliche Kathedrale St. Michael in Schutt und Asche legte, rief der damalige Propst von Coventry Richard Howard zur Versöhnung auf. Aus den verkohlten Trümmern der Kathedrale wurden drei große Nägel geborgen und zu einem Kreuz zusammengeschmiedet. Dieses originale „Cross of Nails“ steht heute auf dem Altar der neben der Ruine neu errichteten Kathedrale. Aus dem Gedanken der Versöhnung entstand nach dem Zweiten Weltkrieg die Nagelkreuzgemeinschaft.

Nachbildungen des Originals wurden inzwischen an mehr als 200 Kirchengemeinden, Institutionen oder Personen verliehen. Markus Geiger vom Friedensteam des Kirchenbezirks erinnerte wie auch David Stone an die Anfänge der Nagelkreuzgemeinschaft. Stone betonte in seiner Predigt, dass das Nagelkreuz keineswegs nur ein beeindruckendes und dekoratives Element sei, sondern bedeute „alles das anzunehmen, für das es steht“: für Friede, Gerechtigkeit und Versöhnung zu arbeiten und zu beten, Gräben zu überwinden und in Frieden mit allen Menschen zu leben. „Wir sind aufgerufen, uns um das Wohlergehen unserer Feinde ebenso zu kümmern wie um das unserer Freunde“, sagte Stone.

Dekan Bernd Weißenborn wünschte sich, dass angesichts aktueller weltpolitischer Turbulenzen die Verleihung eine Stunde des Friedens sei. Das Nagelkreuz verpflichte zu Frieden und Versöhnung. „Das ist eine Aufgabe und Herausforderung, die wir gerne annehmen. Wir sind dem Frieden verpflichtet, der durchs Kreuz zur Welt kommt.“

„Es ist ein großes Geschenk, dass wir in Deutschland seit mehr als 70 Jahren friedlich leben können. Dass es so bleibt, ist keine Selbstverständlichkeit“, sagte Ulrike Sämann. Jost Hasselhorn erinnerte daran, dass Esslingen nun Teil einer weltweiten Gemeinschaft sei. Ein wichtiges verbindendes Element ist das Versöhnungsgebet von Coventry, das auch im Gottesdienst gebetet wurde. Musikalisch gestaltet wurde der Gottesdienst von der Esslinger Jugendkantorei und dem Friedensteam um Pfarrer Stefan Schwarzer. Auf das Friedensteam geht die Initiative zurück, sich um die Aufnahme in die Nagelkreuzgemeinschaft zu bemühen.

Eines der beiden Nagelkreuze wird in der Stadtkirche einen prominenten und dauerhaften Platz bekommen. Das andere soll als „wanderndes Kreuz“ bei Friedensgottesdiensten in den verschiedenen Kirchengemeinden des Bezirks präsent sein. Denn die Aufgabe, sich für Frieden und Versöhnung einzusetzen, gelte für alle Gemeinden, so Sämann.