08.11.18

Singen mit Patrick Bopp

"Aus voller Kehle für die Seele" - 200 Besucher beim offenen Singen im Gemeindehaus am Blarerplatz in Esslingen

Im Rahmen des „Klosters für die Stadt“ hatte das evangelische Pfarramt Esslingen Citykirche in Kooperation mit dem Evangelischen Bildungswerk Esslingen zu „Spaß und Spirit ohne Noten“ unter dem Motto „Aus voller Kehle für die Seele“ eingeladen.

Patrick Bopp, Mitglied der bekannten A-Cappella-Comedy-Truppe Füenf, feiert seit dreieinhalb Jahren mit seine Mitsingshow „Aus voller Kehle für die Seele“ enorme Erfolge. Die Leute stehen Schlange, um gemeinsam mit dem Profi-Musiker, Sänger und Chorleiter ohne Zwang und große Koloratur zwei Stunden nach Herzenslust zu singen. Aufmunternde Sätze wie: „Traut euch, falsch gibt’s net“ oder „gemeinsam scheitern kann befreiend sein“, brachte er sogar bekennende Nichtsänger zum begeisterten Mitträllern und zur Erkenntnis: Singen steckt an. Es ist aber auch die unverkrampfte Art, mit der Patrick Bopp Mut macht, die Stimmbänder mal so richtig in Schwingung zu versetzen. „Wer behauptet, er könne gar nicht singen, ist hier genau richtig“, verkündete er von der Bühne und machte als Warming-up ein paar Lockerungsübungen, die nicht nur Lippen und Kiefer entkrampfen, sondern auch die Stimmung. Beim kollektiven Gähnen, Wimmern, Zischen, Brummen, Strecken und Recken kam Freude auf, die durch das Kinderlied „Hänschen Klein“ auf „schlapp, schlapp, schlapp“ noch gesteigert wurde.

Im Gotthilf-Fischer-Land ist es natürlich nicht allzu schwierig, das Publikum zum Singen zu bewegen. Dennoch gehört Fingerspitzengefühl und Erfahrung dazu, 200 Kehlen in der Spur zu halten. Bopp hat dafür einige Tricks und Tipps auf Lager, die er mit Witz unters Volk streut. Bei Cliff Richards „Rote-Lippen-soll-man-küssen“-Schlager darf nicht nur der englische Akzent mit einem weichgeknödelten „R“ unterstrichen werden. Wenn die „Schalalalala“-Background-Sänger „die Lefzen hochziehen“, so der Profi-Tipp, klingt’s gleich viel heller und bei Elvis darf der Hintergrundgesang gerne „schleimig“ sein. Rollenspiel erwünscht!

Wer trotz Beamer nicht textsicher war, konnte auch einfach Instrumente imitieren, beispielsweise ein wunderbar nölendes Banjo beim Country-Hit „Take me Home, Country Roads“ oder die zitternden Mandolinen in Udo Jürgens Schnulze „Griechischer Wein“. Wippende Finger vor den Lippen fördern das Vibrieren der Saiten und wenn „Wein“ mit weit geöffnetem Mund wie „Waaain“ gesungen wird, klingt’s gleich mehr nach Udo Jürgens. In der Pause durfte das Publikum Wünsche notieren. Drei DINA-4-Seiten wurden eng mit Titeln beschrieben. Einige davon erklangen. Immerhin hatte Bopp 500 Folien für Lieder mit dabei.

John Lennons „Imagine“ war eine Herausforderung. Nicht alle waren sattelfest. Aber der Refrain „Ahh Ahh Ahh“ klappte prima. Bopp scheute mit seinem 200köpfigen Chor selbst vor Queens Nummer-eins-Hit „Bohemian Rhapsody“ nicht zurück und motivierte launig: „Schaun wir mal, was Sie erwischen“. Hier griff das Eingangs-Motto vom Schöner Scheitern – aber mit Spaß. Rocktitel und Schlager, wurden von einem bunt gemischten Publikum mit der gleichen Begeisterung aus „voller Kehle für die Seele“ gesungen wie Volks- und Kinderlieder. Dass sich Seele und Kehle reimen, komme nicht von ungefähr, erklärte Cornelia Krause, Pfarrerin der Südkirche und verantwortlich für die Reihe „Kloster in der Stadt“. Im Hebräischen gebe es dafür ein einziges Wort. Sie hatte die Idee, Patrick Bopp einzuladen, weil singen Gemeinschaft stiftet. „Es ist spirituell, man spürt die Vibrationen, die verbinden, auch Leute, die nicht an Gott glauben.“