08.10.20

Ausstellung

Hülle und Fülle: Ökumenische Kunstausstellung in Oberesslingen mit Mänteln von Astrid J. Eichin.

Ein Leben in Hülle und Fülle – dafür stehen die künstlerisch gestalteten Mäntel der Lörracher Künstlerin Astrid J. Eichin, die vom 31. Oktober bis zum 29. November an fünf Orten in Esslingen ausgestellt sind.
Pfarrer Stefan Schwarzer von der evangelischen Versöhnungskirche hatte die Idee zur Ausstellung. Er hat sich im Rahmen einer Trauergruppe mit den Werken von Astrid J. Eichin beschäftigt. „Es war mir wichtig, die Ausstellung ökumenisch zu gestalten“, sagt er. Zudem sollten die Ausstellungsorte einen Bezug zum Thema haben. Deshalb holte er die Evangelische Kirchengemeinde Oberesslingen, die Katholische Kirchengemeinde St. Albertus Magnus, das Hospiz Esslingen der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde und das Klinikum Esslingen ins Boot.

Weil ein Leben in Hülle und Fülle nicht nur die großen Feste und schönen Begegnungen kennt, sondern auch um Schmerz und tiefe Trauer weiß, sind die Orte mit Bedacht ausgewählt. In der Martinskirche, der Versöhnungskirche und in St. Albertus Magnus, im Hospiz und im Klinikum sind die Mäntel ausgestellt. Das lateinische Wort „Pallium“ heißt Mantel: „Im Hospiz und auf der Palliativstation sollen Menschen auch am Ende in einem Mantel geborgen sein. Im Raum der Kirche soll Platz sein für all die wundervollen Geschichten im Leben, aber eben auch für das Leidvolle“, sagt Schwarzer.
Die Mäntel von Astrid J. Eichin sind aus ganz unterschiedlichen Materialien hergestellt und Symbole für menschliche Wandlungsprozesse. „Sie erzählen Geschichten vom Leben und unserer Sehnsucht nach Schutz, von Verwundbarkeit und Umhüllung, vom Ablegen alter Hüllen und von der Wandelbarkeit des Lebens“, erklärt die Künstlerin.

Der „Martinusmantel“ in der Martinskirche erinnert unter anderem an die Mantelteilung des Heiligen Martin. „Es scheuert“ nennt Eichin einen Mantel, der aus Stücken von Schmirgelpapier zusammengesetzt ist und in St. Albertus ausgestellt wird. „Trauer ist auch etwas, das scheuert“, sagt Schwarzer. Ein riesiger Mantel aus gefalteten Kranichen wird im Eingangsbereich des Klinikums zu sehen sein. „Auf der Palliativstation wird für jeden Verstorbenen ein Kranich gefaltet“, erklärt der Pfarrer die Verbindung. Ein „Lebensgewand“ aus fein gesponnenen Goldfäden kann man im Foyer des Hospiz Esslingen sehen. „I see“ ist der Titel des großen Mantels, der im Kirchenraum der Versöhnungskirche aufgehängt werden wird. Ihn zieren zahlreiche Augenpaare, die Geflüchtete auf den Stoff gemalt haben.

Eine Vernissage im herkömmlichen Sinn wäre in Corona-Zeiten unmöglich, meint Pfarrer Schwarzer. Deshalb hat man sich für Samstag, 31. Oktober, einen Spaziergang überlegt, den die Besucher eigenständig gehen und der zu allen Ausstellungsorten führen kann. Zu Beginn um 17 Uhr und um 19 Uhr gibt es an den verschieden Orten jeweils einen kurzen Impuls,  dazwischen stehen Gesprächspartnerinnen und -partner zur Verfügung. Astrid J. Eichin wird in der Versöhnungskirche anwesend sein.

Die Ausstellung wird von verschiedenen Veranstaltungen begleitet. Am Mittwoch, 11. November, gibt es um 19.30 Uhr in der Martinskirche eine Andacht zum Martinstag. Am Sonntag, 15. November, findet in der Versöhnungskirche um 10.45 Uhr ein Gottesdienst zusammen mit dem Freundeskreis Flüchtlinge zum Mantel „I see“ statt. Am Mittwoch, 18. November, wird in der Martinskirche um 18 Uhr ein Gottesdienst zum Buß- und Bettag zum Thema „Machen Kleider Leute?“ gefeiert. Am Freitag, 20. November, bietet die Sängerin Marla um 18 Uhr und um 20 Uhr „Zypressengesänge. Chansons und Texte zwischen Leben und Sterben“ in der Versöhnungskirche. Es stehen jeweils 25 Plätze zur Verfügung. Am Samstag, 21. November findet um 18 Uhr in St. Albertus Magnus ein Gottesdienst vom Frauengottesdienstteam statt. Am Sonntag, 22. November, gedenkt das Hospiz um 17 Uhr in der Martinskirche der Verstorbenen des vergangenen Jahres. Am Sonntag, 29. November, bildet ein Ökumenischer Gottesdienst zum Kranichmantel um 9 Uhr in der Kapelle des Klinikums Esslingen den Abschluss. Der Gottesdienst wird in die Krankenzimmer übertragen.

Die Mäntel sind außerhalb der Veranstaltungen im Hospiz und im Klinikum durch die Scheiben der Foyers zu sehen. Die Kirche St. Albertus Magnus ist ganztägig offen, ebenso die Martinskirche. Die Versöhnungskirche ist von Montag bis Donnerstag vormittags geöffnet. Außerdem können Besichtigungstermine über Pfarrer Schwarzer, Tel. 0711 316 76 33 oder stefan.schwarzer@elkw.de vereinbart werden.

•    Um die Ausstellung zu finanzieren, wird um Spenden gebeten: Evangelische Kirchengemeinde Oberesslingen, Stichwort „Hülle und Fülle“, IBAN DE41611500200000922061