07.05.19

Diakon Rolf Hartog

Der Esslinger Diakon Rolf Hartog geht nach 40 Jahren im kirchlichen Dienst in den Ruhestand.

Rolf Hartog

32 seiner Berufsjahre als Diakon war Rolf Hartog im Evangelischen Kirchenbezirk Esslingen tätig. Nun geht der 65-Jährige Ende Juni in den Ruhestand. Der kirchliche Dienst war Rolf Hartog nicht vorbestimmt. Zwar stammte der gebürtige Bielefelder aus einem christlich geprägten Elternhaus, spielte im Posaunenchor und läutete in der örtlichen Kirche die Glocken – damals noch von Hand. Weil ein Kindheitsfreund ein körperliches Handicap hatte, fühlte sich Hartog früh Menschen mit Behinderung nahe. Doch zunächst folgte er dem Wunsch seines Vaters und absolvierte eine Ausbildung zum Industriekaufmann. „Mir war jedoch von Anfang an klar, dass ich gezielt mit Menschen, vor allem mit Menschen am Rand der Gesellschaft arbeiten wollte“, sagt Hartog.

Im Evangelischen Johannesstift in Berlin machte er eine Ausbildung zum Diakon und Erzieher, später folgte eine heilpädagogische Ausbildung. Sein erster Dienstauftrag führte ihn in eine Einrichtung für Kinder mit einer körperlichen Behinderung. Weitere Stationen waren die Mariaberger Heime und das Epilepsiezentrum in Kork. 1987 bewarb sich Rolf Hartog auf die Stelle eines Gemeindediakons in der Esslinger Frauenkirchengemeinde. „In einer Gemeinde kann man als Diakon relativ selbständig agieren“, sagt Hartog. Zu seinen Aufgaben gehörte neben der Waldheimarbeit der Aufbau eines Freizeitkreises von Menschen mit und ohne Behinderung in Kooperation mit der Lebenshilfe Esslingen. Damit konnte Hartog auch seinem Anliegen, Menschen mit Behinderung zu begleiten, gerecht werden. Dieser Kreis besteht bis heute: „Wir haben in Esslingen schon früh Inklusion gelebt“, ist Hartog stolz.

1999 wechselte der Diakon in die Altenheimseelsorge, war zunächst in Köngen und Esslingen-Sulzgries im Einsatz, später in der Stadtkirchengemeinde, der Johanneskirchengemeinde und in Esslingen-Berkheim. Zu seinem Dienstauftrag gehörten ebenfalls Einsätze in Behinderteneinrichtungen. Immer wieder habe dabei die Frage im Raum gestanden: Wann ist Leben lebenswert? Auch für Angehörige eine schwere Frage. „Ich habe mich immer bemüht, für das Leben einzustehen“, sagt Hartog. Seine Aufgabe sei auch gewesen, gemeinsam mit den Angehörigen einen Weg zu finden, schwere Situationen auszuhalten. Dazu bedarf es intensiver Beziehungsarbeit, weiß Hartog.

„In den vergangenen Jahren hat das Amt des Diakons und der Diakonin in der evangelischen Kirche glücklicherweise wieder mehr Gewicht bekommen. Kirchengemeinden wünschen sich heute mehr, dass die Kirche ganz praktisch für die Menschen da ist“, weiß Pfarrer Christoph Bäuerle. Als Dekansstellvertreter ist der Stadtkirchenpfarrer auch Dienstvorgesetzter von zwölf Gemeindediakoninnen und Diakone im Kirchenbezirk.

Gemeindediakoninnen und Gemeindediakone arbeiten Hand in Hand mit Pfarrern und Kirchengemeinden. Sie organisieren Kinderbibelwochen und Stadtranderholungen für Kinder und Senioren, machen Jugendarbeit, leiten die Vesperkirche und sind in der Arbeit mit Alleinerziehenden, Flüchtlingen oder alten und gehandicapten Menschen eingesetzt. Der Bereich der Seelsorge allerdings überlappe sehr stark mit der Aufgabe der Pfarrer, sagt Bäuerle. Auch Gottesdienste gestalten die Diakone – zwar selten die regulären Sonntagsgottesdienste in den Gemeinden - dafür häufig in Pflegeheimen oder für bestimmte Zielgruppen mit denen sie arbeiten. Und die haben sie oft quer durch alle Generationen. Eine breit gefächerte Ausbildung befähige Diakoninnen und Diakone, für ihre vielfältigen Einsatzbereiche. Oft seien Gemeindediakone in mehreren Gemeinden tätig. Dies stelle hohe Anforderungen an die Beziehungs- und Kommunikationsfähigkeit, sagt Bäuerle. „Das Wirken der Diakone über Gemeindegrenzen hinweg schafft wichtige Brücken zwischen Menschen und bereichert die Gemeindearbeit vor Ort“.

Dass der Evangelische Kirchenbezirk zwölf Diakone beschäftigen kann, ist nur möglich, weil etwa die Hälfte der Personalkosten fremdfinanziert wird. Bei Rolf Hartog ist es der Evangelische Krankenpflegeverein Esslingen-Stadtmitte, der einen Teil seines Gehalts bezahlt.

Immer wieder werden die Einsatzgebiete der Diakone neu den Erfordernissen angepasst. Dass Rolf Hartog sich immer wieder auf neue Arbeitsfelder eingelassen habe, rechne er ihm hoch an, sagt Bäuerle. Für Rolf Hartog ist klar: „Wenn ich etwas anfange, mache ich das mit ganzem Herzen und setze mich voll ein.“ Vor allem die vielen Begegnungen – für ihn ein Geben und Nehmen – werde er vermissen, sagt Hartog, der mit seiner Frau Roswitha derzeit noch in Plochingen lebt, aber bald wieder nach Esslingen ziehen will. Noch sind die privaten Pläne für den Ruhestand weitgehend ungewiss. Im Posaunenchor wird Rolf Hartog weiter aktiv sein und auch im Konvent der Schwestern und Brüder des Evangelischen Johannesstifts Berlin.

•    Rolf Hartog wird am 26. Mai um 9.45 Uhr im Gottesdienst in der Johanneskirche am Charlottenplatz in Esslingen verabschiedet. Der Posaunenchor wirkt mit.