06.12.18

Kontaktstelle Kirche

Die Kontaktstelle Kirche in der Esslinger Stadtkirche bietet Gelegenheit für Gespräche und den Kircheneintritt.

G. Wagner, H. N. Janowski und C. Krause mit Handpuppe Dr. Hägele (v.l.)

Zum Jahresende sind die Statistiker gefragt. Dann wird oft über sinkende Mitgliederzahlen der großen Kirchen oder gar Kirchenaustritte gesprochen. „Doch es gibt nicht wenige Menschen, die als Erwachsene wieder oder auch erstmals in die Kirche eintreten“, weiß die Esslinger Citypfarrerin Cornelia Krause. Eine Möglichkeit, dies zu tun, bietet die Kontaktstelle Kirche, die jeden Samstag von 10 bis 12 Uhr in der Stadtkirche St. Dionys den Menschen offensteht. Ein Team von insgesamt sechs Theologinnen und Theologen steht für Fragen, Anliegen, Gespräche oder eben auch den Eintritt in die Evangelische Kirche zur Verfügung. Damit dies möglich ist, tut an jedem Samstag eine Pfarrerin oder ein Pfarrer dort Dienst. Seit fast 13 Jahren gibt es die Kontaktstelle in Esslingen. In dieser Zeit sind mehr als 60 Männer und Frauen auf diesem Weg in die Kirche eingetreten. Meist sind es Wiedereintritte, vereinzelt aber auch Übertritte von anderen Religionsgemeinschaften oder Neueintritte, mit denen die Mitarbeitenden in der Kontaktstelle zu tun haben.

Einige hundert Menschen kommen an einem Samstag in die Stadtkirche, weiß Hans Norbert Janowski, der von Anfang an in der Kontaktstelle mitwirkt: Marktbesucher, Touristen, Familien mit Kindern, Menschen die die Stille zum Beten nutzen, Teilnehmer an Führungen oder Mütter, die ihre Kinder stillen. „Manche kommen aber auch ganz gezielt. Sie ermutigen wir, ihre Fragen zu stellen“, sagt Günther Wagner, Pfarrer im Ruhestand. Ein wichtiger Türöffner für Gespräche ist die große Handpuppe, die das Team respektvoll „Stadtpfarrer Dr. Hägele“ getauft hat. Vor allem Kinder springen auf die Figur an. Dann gelingt oft auch das Gespräch mit den Eltern. Die Menschen, die am Samstagsmorgen die Kirche aufsuchten, hätten Zeit. Sie ließen sich gerne auf Gespräche ein, hat Janowski beobachtet. Auch die „Zehn Gründe in der Kirche zu sein“, die groß auf einem Aufsteller oder als handliches Leporello nachzulesen sind, sind Anknüpfungspunkte.

„Meist haben die Besucher Fragen zur Kirche, zur Symbolik, Kunst oder dem Baustil“, erklärt Janowski. Vor allem ausländische Gäste verweist der Theologe im Ruhestand dann gerne auf die Broschüren, die in etlichen Sprachen in der Kirche ausliegen. Doch vieles können die Theologen natürlich auch selbst erklären. Nicht selten komme man darüber auf Fragen des Glaubens. „In einzelnen Fällen werden daraus auch richtig intensive Gespräche, bis hin zur Seelsorge“, sagt Janowski. „Es ist ein enormer Vertrauensbeweis, wenn Menschen sich uns öffnen“, meint Wagner. Er erinnert sich daran, wie eine Frau ihn einmal bat, mit ihr zu beten. „Das habe ich gerne getan. Vielleicht fehlte ihr einfach die Sprache um mit Gott zu reden.“ Immer wieder sind es emotionale Momente, die auch die Mitarbeiter der Kontaktstelle berühren – etwa wenn eine Frau unter Tränen erzählt, sie sei das letzte Mal mit ihrem Mann hier gewesen und dieser sei jüngst verstorben. Zuzuhören und da zu sein sei dann oft wichtiger, als etwas zu sagen, betont Wagner. Denn die richtigen Worte zu finden, ist auch für die Theologen manchmal nicht einfach. „Die Leute spüren, wenn man etwas abspult“, ist Janowski überzeugt.

Das niederschwellige Angebot der Kontaktstelle wirkt auch für diejenigen einladend, die in die Kirche eintreten wollen. Vor Ort kann dies anhand eines Formulars gemacht werden. Oft gehen intensive Gespräche voraus, in denen die Geistlichen durch bewegende Lebensgeschichten erfahren, warum jemand wieder in die Kirche eintreten möchte. aWagner erinnert sich an ein Ehepaar, das vor Jahren aus der Kirche ausgetreten war, in seiner Heimatgemeinde sehr aktiv war und aus Scham nicht beim örtlichen Pfarrer den Wiedereintritt vollziehen wollte.

Die wirklichen Gründe aus denen die Menschen aus der Kirche ausgetreten seien, erfahre man eher selten, wissen die Pfarrer. Oft gehe es ums Geld, die eingesparte Kirchensteuer habe man für anderes gut gebrauchen können. Auch die Fälle von Missbrauch bewegen Menschen, der Kirche den Rücken zu kehren, sagt Janowski. Vor allem aber Glaubenszweifel oder Krisen im Leben können Auslöser sein.  „Besonders junge Menschen denken häufig, sie brauchten die Kirche nicht. Dann findet so eine schleichende Entfremdung statt“, erklärt Cornelia Krause, die für die Kontaktstelle zuständig ist. Mit steigendem Alter ändere sich das oft. Deshalb sind die Wiedereingetretenen meist über 40 Jahre alt. Krisen im Leben wie der Verlust des Partners, Scheidung, Fragen nach Sinn, der Wunsch nach Geborgenheit oder einer geistigen Heimat treten oft erst in späteren Jahren ein. Und genauso wie sie zum Austritt führen können, finden Menschen über existentielle Bedrohungen oder Belastungen wieder zur Kirche.

Zuweilen sind es auch der Entschluss zu heiraten, ein Patenamt zu übernehmen oder die Geburt eines Kindes, die den Weg zurück ebnet. Janowski erzählt von einer jungen Frau, die mit einem Baby zu ihm kam. Als Jugendliche war sie aus Trotz gegenüber den sehr religiösen Eltern aus der Kirche ausgetreten. „Nun fühlte sie durch ihr Kind die Verantwortung, in die Generationen übergreifende Gemeinschaft der Kirche wieder einzutreten.“

Info Kircheneintritt

Außer in der Kontaktstelle Kirche kann man bei jedem Evangelischen Gemeindepfarramt in die Kirche eintreten. Die Anschriften der Pfarrämter finden Sie unter www.ev-kirche-esslingen.de
Beratung zum Kircheneintritt gibt es bei Pfarrerin Cornelia Krause (Tel. 0711 38 12 77) oder beim kostenlosen Infotelefon der Evangelischen Landeskirche in Württemberg (Tel. 0800 8138138).