04.03.20

Alexander Stölzle

Alexander Stölzle lernt als Pfarrer zur Dienstaushilfe im Dekanat viele Kirchengemeinden kennen.

Alexander Stölzle am Schreibtisch im Dekanat

Er sei so etwas wie ein Pfarrer „auf der Durchreise“: Alexander Stölzle ist Pfarrer zur Dienstaushilfe bei Dekan Bernd Weißenborn. Das bedeutet für den 33-Jährigen in vielen Kirchengemeinden des Evangelischen Kirchenbezirks Esslingen unterwegs zu sein. Er übernimmt die Vertretung in Gemeinden, in denen die Pfarrstelle nicht besetzt ist, und springt auch sonst punktuell ein, wenn ein Pfarrer benötigt wird. Zudem organisiert Stölzle verschiedene Projekte für den Kirchenbezirk wie jüngst den Tag der Gemeindeentwicklung.

Alexander Stölzle wuchs im Kreis Göppingen auf. Nach dem Zivildienst beim DRK folgte das Theologiestudium in Tübingen als Stipendiat am Evangelischen Stift, in Berlin und Rom. Dort habe er auch Einblicke in die katholische Theologie und die Ökumene bekommen, erzählt er. Zu der Entscheidung für das Theologiestudium habe insbesondere auch die Auseinandersetzung mit religiös-philosophischen Themen im Religionsunterricht in der Oberstufe beigetragen – und ein außergewöhnlicher Schüler-Job. „Ich war Sargträger. Da kommen ganz automatisch existenzielle Fragen auf.“

Parallel zum Theologiestudium absolvierte Alexander Stölzle ein Studium der Wirtschaftswissenschaften. „Ich wollte ökonomische Zusammenhänge verstehen und praktische Techniken erwerben. Vieles davon braucht man auch im Pfarramt“, sagt er. Dabei hat er auch das Spannungsfeld zwischen Theologie und Ökonomie im Blick. In einigem können Pfarrerinnen und Pfarrer von der Wirtschaft lernen: etwa die Kundenorientierung. „Wir müssen noch mehr auf die Bedürfnisse der Gemeindemitglieder eingehen und vom ‚Kunden‘ her denken“, ist Stölzle überzeugt. Das könne eine große Chance für die Kirche sein, meint er. Andererseits habe die Kirche aber auch der Wirtschaft viel zu bieten, indem sie beispielsweise den Menschen gesamtheitlich und nicht nur als ökonomische Größe betrachte: „Da sind wir eindeutig besser.“

Vor dem Eintritt in den kirchlichen Dienst habe er nochmal „Wirtschaftsluft“ schnuppern wollen, erzählt Stölzle. Zwei Jahre arbeitete er nach dem Examen als Immobilienberater und „Sachverständiger für die Bewertung bebauter und unbebauter Grundstücke“– ein Gebiet, auf dem er schon während des Studiums tätig war. Danach folgte das Vikariat in Stuttgart, bevor er nach Esslingen kam.

Im Dekanat hat er vielfältige Aufgaben. Derzeit ist Stölzle vor allem in Esslingen-Sulzgries im Einsatz, wo nach dem Weggang von Pfarrerin Christiane Wellhöner eine der beiden Pfarrstellen vakant ist. Gottesdienste, Trauungen, Taufen und Beerdigungen wie auch Religions- und Konfirmandenunterricht gehören zur sogenannten Vakaturvertretung. Demnächst werden seine Einsatzorte Köngen und Reichenbach sein.

Doch häufig springt Stölzle auch in den verschiedensten Gemeinden ein, um Gottesdienste zu halten. Die Gepflogenheiten und die theologische Prägung der jeweiligen Gemeinde erfragt er im Gemeindebüro oder bei den Kollegen. „Ich möchte wissen, wie eine Gemeinde tickt.“ Sich immer wieder neu darauf einzustellen, sei eine Herausforderung. Die Reaktionen der Gemeindemitglieder sind unterschiedlich. „Viele finden es erfrischend, ein neues Gesicht zu sehen und einen neuen Stil zu erleben. Doch für Manche in der Kirchengemeinde ist man eben nicht der richtige Pfarrer“, ist Stölzle klar. Dennoch erfahre er viel Wertschätzung und positives Feedback.

Der punktuelle und zeitlich begrenzte Einsatz hat seinen Preis. „Man taucht nicht so tief ein wie jemand, der permanent und für längere Zeit am Ort ist.“ Beziehungen blieben manchmal eher an der Oberfläche. Oft müssten sie sich auf punktuelle Ereignisse beschränken. Umso wichtiger sei es, auf Menschen zuzugehen und sie ernst zu nehmen. „Dann kann auch Beziehung entstehen und man kann den Menschen nahe sein.“

Die Vielfalt mache seine Stelle so reizvoll. „Ich kann in verschiedenen Kontexten in unterschiedlichen Rollen agieren. Zudem bekomme ich einen großen Überblick über den Kirchenbezirk und die unterschiedlichen Prägungen der Gemeinden.“ Das Konzept des Pfarrers zur Dienstaushilfe könne ein attraktives Modell für den zukünftigen Pfarrdienst sein, meint er. Für sich selbst könne er sich auch in Zukunft einen solchen Dienst vorstellen, der diese Flexibilität erfordert.

Ausgleich findet Alexander Stölzle beim Segeln mit seiner Frau. Auch das Snowboardfahren liebt der ehemalige Basketballer – „obwohl ich hier aus ökologischen Gründen sehr im Zwiespalt bin.“