Wunde Punkte - Passionsandachten in der Pandemie | 27.03.2021

 

Glocken läuten

 
Kerze entzünden

Wir sind da.
Wir sind verbunden mit denen, die auch Gottesdienst feiern.
Zu verschiedenen Zeiten.
An verschiedenen Orten.
Aber aufmerksam für jeden Trost.
Für jede Wahrheit.
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
AMEN.


Gebet nach Psalm 13


Mein Herz wird vor Freude lachen,
weil du mir geholfen hast.

 

I  O mein Gott, wie lange soll das noch dauern?
   Wie lange können wir uns nicht sehen, Feste feiern, Essen gehen, ausgelassen sein?

 

II Wie lange muss ich mich um mein und andere Leben weltweit sorgen,
    tagaus, tagein Ängste in meinem Herzen bewegen?

 

I  Krisenmüde sind wir, kurzatmig und abgeschnitten vom Leben,
   nur zu bereit, jeder schnellen Lösung zurück zur Normalität Glauben zu schenken.

 

II Zukunftsverdrossen sind wir, planlos und entscheidungsschwach,
   nur zu bereit, die Armutskrise hinzunehmen und der Klimakrise uns zu ergeben.

 

I  Doch nein! Fest vertraue ich auf deine Güte.
   Ich summe, ich singe, ich schnipse und spiele ein Lied.

 

II Auch jetzt tust du uns Gutes. Gerade jetzt gibst du Zukunft und Hoffnung.
   Dein Angesicht leuchtet über mir.

 

Mein Herz wird vor Freude lachen,
weil du uns geholfen hast.


AMEN.


Lied "Du siehst mich" - Neue Lieder 130, 1-3

Zum Anhören oder Mitsingen


Wunde Punkte

Da muss man uns nichts erklären. In einer Welt, in der man fast alles machen konnte,
liegen sie heute offen vor uns. Sie erinnern uns daran, dass es Leid und Hilflosigkeit
gibt. Nach wie vor.

Wort zur Sache

Kurt Hilsenbeck, Diakon in der kirchlich-diakonischen Flüchtlingsarbeit, kennt die corona-bedingte Verschärfung der Situation für geflüchtete Menschen hier und weltweit. Doch den wunden Punkt sieht er dort, wo Menschen ihre Augen, Ohren und Herzen verschließen vor dem Ernst der Lage.

Wunde Punkte 6: Flüchtlingsarbeit


Musik

 

Aleksandra Nawrocka spielt auf dem Marimbaphon die Sarabande d-moll von Johann Sebastian Bach.


Werke der Barmherzigkeit

Bibeltext: Matthäus 25, 35.42
Jesus sagt: „Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen.“
Jesus sagt: „Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich nicht aufgenommen.“

 

Impuls

Fremde beherbergen

Kennen Sie diese Irritation? Sie sitzen einem tief dunkelhäutigen Menschen gegenüber, mit einem Mal beginnt dieser im breitesten Schwäbisch zu schwätzen. Und der, den Sie fremd glaubten, gibt sich durch seine Sprache als einer zu erkennen, der hier zuhause ist. Einer von uns.

Kübra Gümüşay erzählt (in ihrem Buch ‚Sprache und Sein‘, München 2020) von einer Freundin, die in ihrer Schulzeit folgendes erlebte: Eines Tages stand  er (ein Mitschüler, Sohn eines stadtbekannten Nazis) mit seiner Clique am Tor der Schule und teilte die Schüler*innen auf: „Ausländer“ nach links und „Deutsche“ nach rechts. Als meine Freundin, ein zierliches Schwarzes Mädchen, vor ihm stand, schickte er sie nach rechts, zu den „Deutschen“. „Warum hast du mich nicht nach links, zu den Ausländern, geschickt?“ fragte sie ihn. „Ach“, sagte er und winkte ab, „dich kenn ich doch.“

Er sah sie nicht (mehr) abstrakt als Angehörige einer fremden Gruppe. Er hatte sie als Individuum kennengelernt und sieht sie als Mensch.

Wie oft berichten mir andererseits ältere Menschen von Feindschaften zwischen Dörfern, die nur ein paar Kilometer auseinanderlagen. Von der Fremdheit nicht nur fremder Religionen oder Menschen fremder Hautfarbe, sondern auch der Katholiken oder Protestanten. Selbst die auf den ersten Blick „Zugehörigen“ sind manchmal die ganz Anderen, die „Fremden“.

Unser Glaube aber bringt uns in die Weite und Vielfalt des Menschseins. Es gehört zum Reichtum und zur Schönheit des Glaubens, die Fremden und das Fremde zu ertragen, zu beherbergen, sich damit auseinanderzusetzen. Das ist nicht selbstverständlich. Es setzt oft voraus, Angst zu überwinden und Vorurteile aufzugeben. Wer jedoch „den Feind“, „die Ausländerin“, „den Katholiken“ und „die Muslima“ kennengelernt hat, kann damit einen „verschwenderischen Reichtum des Herzens“ erleben (Fulbert Steffensky), kann „Engel beherbergen“ (Hebräer 13,2). Und verkündet mit Worten und Taten, dass Gott Mensch geworden ist. Einer von uns.

Einer, der sich neben alle stellt, die fremd (gewesen) sind.
AMEN.

Liedruf Kyrie eleison

Fürbitten

Jesus Christus, durch dich sind wir „Gottes Hausgenossen“ geworden. Durch dich beten wir zu Gott, dem Schöpfer, der den ganzen Erdkreis segnet und behütet. Wir bitten dich:

Kyrie eleison / Herr, erbarme dich.

            • für die Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen, die in der Corona-Zeit versuchen, den Kontakt zu geflüchteten Menschen aufrechtzuerhalten,
            • für Menschen, die Angst vor allem Fremden haben und sich verschließen möchten.
            • für Frauen, Kinder und Männer, die weltweit in Lagern für Flüchtlinge leben müssen und oft jahrelang keine Perspektive haben.
            • für Menschen, die eine Fluchtgeschichte voller Verluste und Verletzungen zu verarbeiten haben,
            • für Menschen, die sich mit Rassismus auseinandersetzen.

            Kyrie eleison / Herr, erbarme dich.

             

            In vielen Sprachen wird deine barmherzige Liebe gelobt. Unsere Stimme und Sprache mischen sich darunter, wenn wir mit dir zu Gott rufen:


            Vaterunser im Himmel
            geheiligt werde dein Name.
            Dein Reich komme.
            Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.
            Unser tägliches Brot gib uns heute
            und vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
            Führe uns nicht in Versuchung
            und erlöse uns von dem Bösen.
            Denn dein ist das Reich
            und die Kraft
            und die Herrlichkeit
            in Ewigkeit.

            AMEN.


            Segen
            Wer mag öffnet die Hände, Handflächen nach oben.


            Gott, segne uns.
            Gott, behüte uns.
            Lasse dein Angesicht leuchten über uns.
            Sei uns gnädig.
            Erhebe dein Angesicht auf uns.
            Und gib uns Frieden.
            AMEN.


            Kollekte

            Leisten Sie einen Beitrag zur direkten Unterstützung der Seenotrettung im Mittelmeer.

            Spendenkonto:
            United4Rescue - Gemeinsam Retten e.V.
            IBAN: DE93 1006 1006 1111 1111 93
            BIC: GENODED1KDB
            Bank für Kirche und Diakonie eG - KD-Bank

            Verwendungszweck:
            Gemeinsam Retten. Bei größeren Spenden Ihr Name und Ihre Adresse für die Spendenquittung.

            Herzlichen Dank