28.06.17

Blarer-Gemeindehaus: Gesamtkirchengemeinderat stimmt für Verkaufsverhandlungen

Der evangelische Gesamtkirchengemeinderat Esslingen hat am Dienstagabend (27. Juni) in öffentlicher Sitzung beschlossen, mit der Stadtverwaltung in Verkaufsverhandlungen über das Blarer-Gemeindehaus und die Franziskanerkirche einzutreten.
Die Stadtverwaltung hatte bereits im März Interesse am Blarer-Gemeindehaus als neuen Standort für die Stadtbücherei signalisiert. Sie hatte um ein Signal des Gesamtkirchengemeinderates bis Ende Juni gebeten.

Der Gesamtkirchengemeinderat ist bei seiner Abstimmung nicht der Empfehlung des Verwaltungsausschusses gefolgt. Dieser hatte in einer neu eingebrachten Beschlussvorlage vorgeschlagen, zunächst die Stadt aufzufordern, ein konkretes Kaufangebot vorzulegen.

 

In einem Eingangsstatement hatte sich Dekan Bernd Weißenborn dafür ausgesprochen, das Ensemble Blarer-Gemeindehaus und Franziskanerkirche als geistliches und kulturelles Zentrum in der Stadtmitte zu erhalten. Er selbst sei im März, als die Anfrage der Stadt kam, „ergebnisoffen in die Prüfung und Beratung gestartet“. Das hohe bürgerschaftliche Engagement von Gemeindegliedern, Chören und Kulturschaffenden in den vergangenen Monaten für den Erhalt des Blarer-Gemeindehauses habe ihn beeindruckt. Diesen „großen Schwung von vielen will ich aufnehmen“, sagte Dekan Weißenborn. Eine Verbesserung der Wirtschaftlichkeit beim Blarer-Gemeindehaus sei erreichbar, beispielsweise durch eine neue Gebührenordnung, aber auch über Spendenzusagen, die ihm gegenüber gemacht worden seien.

 

In der anschließenden, engagiert geführten Debatte im Gesamtkirchengemeinderat überwogen jedoch die Fürsprecher für Verkaufsverhandlungen. Der eingeschlagene Konsolidierungskurs dürfe beim Blarer-Gemeindehaus nicht aufgegeben werde. Pfarrer Siegbert Ammann aus Hegensberg-Liebersbronn, Mitglied der Arbeitsgruppe Immobilien des Gesamtkirchengemeinderates, forderte: „Als Gesamtkirchengemeinde müssen wir solidarisch sein.“ Er verstehe nicht, warum beim Blarer-Gemeindehaus „plötzlich diese Freigiebigkeit“ herrsche. Sein Kollege Peter Rohde aus Mettingenerinnerte daran: „Was wir an Geld hier ins Blarer-Gemeindehaus hineinstecken, fehlt anderswo.“

 

Rund 30 interessierte Esslinger verfolgten die öffentliche Debatte. Ob der Beschluss, in Verkaufsverhandlungen einzutreten, letztendlich tatsächlich zu einem Verkauf führen wird, ist nach Überzeugung von Dekan Bernd Weißenborn offen. Es hängt davon ab, ob die Stadt ein Angebot vorlegt, das vom Gesamtkirchengemeinderat angenommen wird. In den kommenden Wochen wird zunächst von der Bauberatung des evangelischen Oberkirchenrates ein Wertgutachten für das Gebäudeensemble erstellt.

 

Christoph Schweizer