21.02.17

Vesperkirche bringt Menschen zusammen

„Die Vesperkirche soll ein Zeichen von Gastfreundschaft sein und Tischgemeinschaft für Menschen aus ganz unterschiedlichen gesellschaftlichen Milieus ermöglichen“, sagt der Esslinger Dekan Bernd Weißenborn. Zum neunten Mal werden vom 12. März bis zum 2. April in der Esslinger Frauenkirche die Tische für ein leckeres Mittagessen gedeckt und Menschen unter dem Motto „Gemeinsam an einem Tisch“ zur Begegnung eingeladen. Die Vesperkirche ist ein ökumenisches Projekt, das von der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde und dem Kreisdiakonieverband im Landkreis Esslingen (KDV) in Kooperation mit der Katholischen und der Evangelisch-methodistischen Kirche in Esslingen sowie der Caritas Fils-Neckar-Alb getragen wird.

„Dieses Miteinander tut der Ökumene gut“, ist Stefan Möhler, Leitender Pfarrer der Katholischen Gesamtkirchengemeinde Esslingen, überzeugt. Durch den ehrenamtlichen Einsatz seien auch persönliche Beziehungen gewachsen. „Im Vesperkirchen-Alltag spielen Konfessionen keine große Rolle“, freut er sich. Das gemeinsame diakonische Engagement habe sich bewährt und sei zudem der Hauptauftrag der Kirchen. Auch Siegfried Bessey, der Vorsitzende des Evangelischen Gesamtkirchengemeinderates, schätzt den ökumenischen Aspekt der Vesperkirche. Ökumenisch zusammengesetzt ist auch das Dreier-Team der Tagesleitung. Außerdem steht jeden Tag ein Seelsorger zur Verfügung. Zudem wird über Beratungsdienste vor Ort informiert.

Wohnungsnot und Arbeitslosigkeit als zentrale Themen

Weißenborn betont, die Vesperkirche zeige, dass ein Miteinander von Menschen aus unterschiedlichen Lebenswelten möglich sei. Sie sei ein Zeichen der Solidarität und wolle zur Sensibilisierung der Gesellschaft für die Tatsache beitragen, „dass es vielen Menschen in unserer reichen Gesellschaft nicht gut geht.“. Eberhard Haußmann, der Geschäftsführer des KDV, nennt neben der zunehmenden Kluft zwischen Arm und Reich den Mangel an bezahlbarem Wohnraum und die trotz guter Konjunktur gleichbleibend hohe Langzeitarbeitslosigkeit als zentrale Themen, die die Vesperkirche in die Gesellschaft tragen wolle. Er betonte, dass Vesperkirche nicht nur Ausdruck von Barmherzigkeit sei, sondern vor allem auch Gerechtigkeit einfordere. „Wenn der Bundestagsabgeordnete neben dem Hartz-IV-Empfänger Geschirr spült, entsteht im Miteinander ein Gespür für den anderen.

Viele packen mit an

Bis zu 570 Essen werden jeden Tag zwischen 11.30 Uhr bis 14.30 Uhr in der Vesperkirche serviert. Geliefert wird das Essen – darunter auch immer ein vegetarisches Gericht - wochentags von der Kantine des Daimler-Werks Untertürkheim, am Wochenende von Dienste für Menschen in Kennenburg. Damit in der besonderen Atmosphäre der Frauenkirche die Tische gedeckt werden können, braucht es viel Unterstützung – in Form von rund 500 Ehrenamtlichen, die bei Organisation und Aufbau, beim Anrichten des Essens, beim Servieren, Abräumen und Abspülen helfen, aber auch durch finanzielle Beiträge. Rund 90 000 Euro müssen für die Vesperkirche jährlich aufgebracht werden. Nur ein Teil finanziert sich über den Essenspreis von mindestens 1,50 Euro für ein dreigängiges Menü samt Getränken, Kaffee und Kuchen. Weil die wirklichen Kosten dafür bei rund sechs Euro liegen, werden diejenigen, die es sich leisten können, gebeten aus Solidarität mehr zu bezahlen. Außerdem tragen Spenden und Benefizveranstaltungen sowie der Verkauf von Tassen, Küchentüchern oder einer Nachbildung des Engels auf dem Turm der Frauenkirche, die das ganze Jahr über bei der Stadtinformation zu bekommen sind, zur Finanzierung bei.

Ehrenamtliche Mitarbeiter und Kuchenspenden werden noch gebraucht

„Ohne die ehrenamtlichen Helfer könnten wir die Vesperkirche nicht realisieren“, betont Bessey. Weil einige Frauen und Männer der ersten Stunde sich inzwischen altershalber zurückziehen, freut er sich umso mehr, dass sich auch junge Leute in den Dienst der guten Sache stellen: Schüler des Beruflichen Ausbildungszentrums Esslingen, Auszubildende von Firmen, aber auch andere Schulklassen verstärken immer wieder das Team. Schwemm freut sich zudem, dass sich in den letzten Jahren verstärkt auch Geflüchtete eingebracht hätten. „Sie sehen dadurch unter anderem, dass es auch in Deutschland Armut und Wohnungsnot gibt“, sagt er. Trotzdem sucht der Vesperkirchen-Leiter noch ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Dringend gefragt sind auch noch Kuchenspenden. Denn täglich werden rund 30 Kuchen benötigt, erklärt Schwemm. Wer Kuchen spenden möchte, kann sich an die Kuchenhotline wenden: Tel.-Nr. 0170-7249819.

Weitere Informationen: www.vesperkirchen-landkreis-esslingen.de
Kontakt: Bernd Schwemm Tel. 0711-370 22 09 oder bernd.schwemmdontospamme@gowaway.gmx.de

Spendenkonto:
Evangelische Gesamtkirchengemeinde Esslingen
IBAN: DE24611500200000902 579     
BIC: ESSLDE66XXX
Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen     
Verwendungszweck: Vesperkirche