Das Lichterlabyrinth im Advent in der Franziskanerkirche

© U. Rapp-Hirrlinger


Lichtwege, die in die Mitte führen

Ein Labyrinth aus Kerzen und Tannenreisig, ausgelegt auf dem Boden der wunderbaren alten Franziskanerkirche Esslingen,
zieht seit 10 Jahren Besucherinnen und Besucher aus der ganzen Region an.
Während in der Stadt ein schöner, aber manchmal auch hektischer Trubel um Weihnachtsmarkt und Weihnachtsvorbereitungen
herrscht, hält der Raum der Franziskanerkirche eine wohltuende Stille für die Menschen bereit.
Auch 2017 empfängt das Lichter-Team im Kloster für die Stadt an jedem Samstagnachmittag und Abend große und
kleine Gäste. Der in Esslingen bekannte und engagierte Künstler Bertl Zagst wird mit einer Installation einen Akzent
zum Jubiläum setzen.

• 16.12. (vor dem 3. Advent): 16-20 Uhr;
17.00 – 17.30 Uhr: Meditative Orgelmusik mit Fabian Grosch.

• 23.12. (vor dem Heiligen Abend): 16-20 Uhr;
19.30 – 20.00 Uhr: Gregorianisch gesungenes Abschlussgebet mit Wolfgang Kutter.

 

 

 

 

 

Die Franziskanerkirche

© P. Köhle

Franziskanerkirche Esslingen

Blarerplatz / Franziskanergasse
73728 Esslingen

Täglich geöffnet von 9 bis 18 Uhr

 

Ein gotisches Kleinod

Im Januar 2004 konnte die Evangelische Gesamtkirchengemeinde Esslingen die Sanierung der Franziskanerkirche, die im Volksmund in Esslingen etwas despektierlich  „Hintere Kirche“ genannt wird, abschließen. Der Begriff „Franziskanerkirche“ ist eigentlich irreführend, da von der einst stattlichen dreischiffigen Basilika in der östlichen Altstadt heute nur noch der Lettner und der Chor stehen. 1840 wurde die Kirche abgebrochen. Gotischer Baustil stand damals nicht hoch im Kurs. Alte Kirchen hatte man in Esslingen mehr als genug.

1,8 Millionen Euro hat die Restaurierung des 1290 fertig gestellten Chores gekostet. 100 000 Euro haben Esslinger Bürgerinnen und Bürger, die sich in einem Förderverein organisiert hatten, an Spenden aufgebracht.

 

Anknüpfen an die Tradition des Ortes

Nachdem die Sanierung abgeschlossen war, sollte in dem Kirchraum wieder geistliches Leben entstehen - ein geistliches Zentrum, das an die Tradition der Franziskanermönche in Esslingen anknüpft. Mit dem "Kloster für die Stadt" ist ein Ort entstanden, wo man dem Alltag entfliehen kann.

Aktuelles Programm des Klosters für die Stadt

 

 

GESCHICHTE

1237 ließen sich die ersten Franziskaner in Esslingen nieder. Mit dem Bau der Franziskanerkirche (auch Hintere Kirche oder Georgskirche) wurde um 1270 begonnen.

Der steil aufragende Chor wurde um 1300 gebaut. Ursprünglich war die Kirche St. Mariae Krönung geweiht.

Die Franziskanerkirche um 1840 - Bild von Joh. Braungart (Stadtmuseum Esslingen)

Die prächtigen bunten Glasmalereien des Chors entstanden in den Jahren um 1320. Sie zeigen einen typologischen Bibelzyklus und wurden wohl entgegen den damaligen Bauvorschriften für eine Bettelordenskirche nur geduldet, weil häufig Generalkapitel in Esslingen stattgefunden haben. Sie wurden unter anderem auch mit Silbergelb gemalt. Diese Farbe kam erst um 1300 in Paris auf und zeigt damit den Rang Esslingens als Kunstzentrum in Schwaben. Im 14. Jahrhundert bot das Kloster auch Quartier für den Kaiser und sein Gefolge.

Chor der Franziskanerkirche - Foto: Peter Köhle

1390 entstand an der Südwand das Gemälde über die Aufnahme Marias in den Himmel und den Chor der Seligen. Es zeigt zu Marias Füßen kniend einen älteren Franziskaner. Laut lateinischer Inschrift handelt es sich dabei um Hasso von Lampertkein, einen franziskanischen Magister der 1386 in Esslingen starb.

Aus dem 15. Jahrhundert gibt es über der Sakramentsnische an der Nordwand eine Darstellung des Schmerzensmannes mit Engeln.
Nach der Reformation fielen die Gebäude an die Stadt. Diese ließ 1668 einen Teil abreißen. 1840 wurde das Langhaus der dreischiffigen Basilika abgerissen. Heute steht nur noch der ehemalige Chor, der ein Zeugnis der Größe und Bedeutung der ehemaligen Kirche und des Klosters ist.

1908 bis 1912 wurde unter der Leitung von Architekt Albert Benz eine Orgelempore eingebaut und die Sakristei errichtet. Sie ist renoviert und kann für Sitzungen oder Seminare genutzt werden. In der Westfasade setzte man ein Rundfenster von Aloys Staudinger mit der Darstellung von Sankt Georg ein.
Bei der Renovierung von 1999 bis 2004 wurden auch acht unterschiedlich gestaltete Wasserspeier aus dem 14. Jahrhundert gefunden.

Deckengewölbe - Foto: Peter Köhle

Der erhaltene Chor der früheren Franziskanerkirche wird heute für besondere Gottesdienste und das Programm des "Klosters für die Stadt" genutzt.